PDF/UA: der Standard für barrierefreie PDFs
PDF/UA (ISO 14289) beschreibt, wie ein PDF aufgebaut sein muss, damit Screenreader und andere assistive Technologien es zuverlässig nutzen können. Hier erfahren Sie, was der Standard verlangt und was sich automatisch prüfen lässt.
Allgemeiner Überblick. Diese Seite fasst Grundlagen vereinfacht zusammen. Sie ist ein Entwurf und wird derzeit fachlich geprüft. Maßgeblich ist der Text des Standards selbst.
Was PDF/UA ist
PDF/UA steht für „PDF/Universal Accessibility“. Der internationale Standard ISO 14289 baut auf der PDF-Spezifikation auf und legt fest, welche Eigenschaften ein PDF haben muss, damit es barrierefrei genutzt werden kann.
Er stellt Anforderungen an Dokumente, aber auch an Programme, die PDFs anzeigen, und an assistive Technologien. Für Organisationen, die PDFs veröffentlichen, ist vor allem der Teil wichtig, der das Dokument selbst betrifft.
Auf einen Blick
- PDF/UA-1
- ISO 14289-1, erstmals 2012 erschienen, auf Basis von PDF 1.7
- PDF/UA-2
- ISO 14289-2, erschienen 2024, auf Basis von PDF 2.0
- Kennzeichnung
- Ein PDF/UA-Dokument gibt den Standard in seinen Metadaten an.
- Prüfhilfe
- Matterhorn-Protokoll der PDF Association (für PDF/UA-1)
Warum die Struktur entscheidet
Ein PDF kann für sehende Menschen tadellos aussehen und trotzdem nichts darüber verraten, was eine Überschrift, eine Tabelle oder eine Fußnote ist. Diese Bedeutung trägt eine unsichtbare Strukturebene, die sogenannten Tags. PDF/UA verlangt, dass alle relevanten Inhalte getaggt sind.
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Screenreader
Inhalte werden in sinnvoller Reihenfolge vorgelesen; Überschriften, Listen, Tabellen und Links werden als solche angekündigt.
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Navigation
Überschriften und Lesezeichen ermöglichen es, gezielt zu einem Abschnitt zu springen, statt Seite für Seite zu lesen.
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Umfließen und Vergrößern
Getaggte Inhalte lassen sich in geeigneten Anzeigeprogrammen neu umbrechen, etwa bei starker Vergrößerung oder auf kleinen Bildschirmen.
Typische Anforderungen im Überblick
Die folgende Auswahl zeigt, worauf es in der Praxis meist ankommt. Die vollständigen Regeln enthält der Standard selbst.
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Tags für die Struktur
Überschriften, Absätze, Listen, Tabellen, Links und Abbildungen sind mit passenden Tags ausgezeichnet.
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Logische Lesereihenfolge
Die Struktur gibt die Reihenfolge wieder, in der der Inhalt sinnvoll gelesen wird, auch bei Spalten und Kästen.
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Alternativtexte
Abbildungen, die Informationen tragen, haben einen Alternativtext.
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Tabellen
Kopfzellen sind als solche gekennzeichnet und den Datenzellen zugeordnet.
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Sprache und Titel
Die Dokumentsprache ist angegeben, Sprachwechsel sind ausgezeichnet, und der Dokumenttitel wird angezeigt.
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Artefakte
Rein dekorative Elemente wie Linien, Hintergründe oder wiederkehrende Kopf- und Fußzeilen sind als Artefakte gekennzeichnet und werden nicht vorgelesen.
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Lesezeichen
Bei längeren Dokumenten helfen Lesezeichen, die der Gliederung folgen, bei der Orientierung.
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Formulare
Formularfelder sind getaggt, verständlich beschriftet und in der Lesereihenfolge erreichbar.
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Schriften und Unicode
Schriften sind eingebettet, und den Zeichen sind Unicode-Werte zugeordnet, damit Text korrekt vorgelesen, durchsucht und kopiert werden kann.
Was Maschinen prüfen können und was nicht
Viele Anforderungen lassen sich automatisch prüfen. Das Matterhorn-Protokoll der PDF Association übersetzt PDF/UA-1 in einzelne Prüfbedingungen und unterscheidet, welche maschinell prüfbar sind und welche eine menschliche Beurteilung brauchen. Validatoren wie das Open-Source-Werkzeug veraPDF prüfen den maschinell prüfbaren Teil.
Maschinell prüfbar (Beispiele)
- Sind Inhalte getaggt oder als Artefakt gekennzeichnet?
- Ist die Dokumentsprache angegeben?
- Hat jede Abbildung einen Alternativtext?
- Sind Schriften eingebettet und Zeichen Unicode-Werten zugeordnet?
- Ist ein Dokumenttitel vorhanden und wird er angezeigt?
- Steht die PDF/UA-Kennung in den Metadaten?
Menschliche Prüfung nötig (Beispiele)
- Beschreibt der Alternativtext das Bild treffend?
- Stimmt die Lesereihenfolge inhaltlich?
- Sind Überschriften richtig gewählt und gestuft?
- Ist als Artefakt gekennzeichneter Inhalt wirklich ohne Bedeutung?
- Sind komplexe Tabellen verständlich ausgezeichnet?
Eine bestandene Validierung zeigt, dass die Form stimmt, nicht unbedingt die Bedeutung. EqualDoc validiert seine Ergebnisse deshalb mit veraPDF und weist im Prüfbericht die Punkte aus, die eine menschliche Beurteilung brauchen.
Was das für Organisationen bedeutet
- Bei der Erstellung anfangen: Wer Vorlagen sauber mit Überschriften, Listen und Tabellen aufbaut, erhält beim Export aus Textverarbeitung oder Layoutprogramm meist deutlich bessere PDFs.
- Bestand aufbereiten: Für vorhandene PDFs, deren Quelldateien fehlen oder die eingescannt wurden, ist die nachträgliche Aufbereitung oft der praktikable Weg.
- Ergebnisse prüfen: erst maschinell, dann gezielt durch Menschen, besonders bei Tabellen, Formularen und Abbildungen.
- Prioritäten setzen: häufig genutzte und für Abläufe wichtige Dokumente zuerst.
PDF/UA und die Gesetze
BFSG und BITV 2.0 verweisen nicht unmittelbar auf PDF/UA. PDF/UA beschreibt aber, wie sich die Anforderungen an Dokumente in einem PDF technisch umsetzen lassen, und ist deshalb ein verbreiteter Maßstab.
Häufige Fragen
Ist ein PDF/UA-konformes Dokument automatisch barrierefrei?
Nicht automatisch. PDF/UA legt die technische Grundlage. Ob ein Dokument für Menschen gut nutzbar ist, hängt auch von Inhalt und Sprache ab, etwa von aussagekräftigen Alternativtexten und verständlich aufgebauten Tabellen.
PDF/UA-1 oder PDF/UA-2: Welche Version ist die richtige?
PDF/UA-1 ist bisher am weitesten verbreitet und wird von den meisten Werkzeugen unterstützt. PDF/UA-2 baut auf PDF 2.0 auf und erweitert die Möglichkeiten der Auszeichnung; die Unterstützung durch Software wächst. Welche Version sinnvoll ist, hängt von Ihren Werkzeugen und den Anforderungen Ihrer Empfänger ab.
Was ist das Matterhorn-Protokoll?
Ein frei verfügbares Dokument der PDF Association, das die Anforderungen von PDF/UA-1 in prüfbare Fehlerbedingungen übersetzt. Es zeigt auch, welche Prüfungen sich nicht automatisieren lassen.
Kann ein eingescanntes Dokument PDF/UA erfüllen?
Ja, wenn der Text erkannt (OCR) und das Dokument anschließend strukturiert wird. Ein reines Bild einer Seite enthält keinen Text, den ein Screenreader vorlesen könnte.
Wie steht es um die Struktur Ihrer PDFs?
Der kostenlose PDF-Check zeigt, was in Ihrem Dokument fehlt. EqualDoc ergänzt Tags, Lesereihenfolge, Alternativtexte und Metadaten und prüft das Ergebnis gegen PDF/UA.